Die Kreisstadt des Landkreises Schaumburg macht immer einmal wieder Schlagzeilen in den Medien und nicht immer sind diese positiv. Zum Teil hochstilisierte Geschichten um kriminelle Banden in der Innenstadt, die Leerstandsituation und Kritik an Verwaltung und Politik(ern) lassen oft genug kein gutes Haar an Stadthagen. Zeit, sich einmal mit Menschen zu unterhalten, die intensiv daran arbeiten, dass ein solches Image widerlegt wird. Das Schaumburger Wochenblatt sprach mit der Stadthäger Wirtschaftsförderin Jessica Lietzau und dem Projektleiter der Weserbergland AG, Holger Rabe. Beide haben sich dem Ziel verschrieben, Stadthagen – noch – liebens- und lebenswerter zu machen. Spätestens mit dem ersten Runden Tisch 2021 zum Thema „Innenstadtentwicklung“ nach Corona: „Sterben der Innenstädte“, sind die Fachleute der Frage nachgegangen, warum mit Blick auf Nachbarstädte, vielfach die Ansicht herrschte: “Stadthagen geht gar nicht – überall ist es schöner?“ (Jessica Lietzau). Damit das Geld aus den Corona-Hilfen nicht „mit der Gießkanne“ ausgegossen wird, wurde das erfahrene Institut „Morgenraum“ mit der Erstellung einer wissenschaftlich fundierten Bedarfsanalyse beauftragt. Das Ergebnis lag Ende 2022 vor. Daraus entwickelten Lietzau und Rabe Scoring-Instrumente als Grundlage für zukünftige Förderprojekte.
“Die Politik hat mitgespielt!“
Mit der Einrichtung der Plattform „Stadt.Punkt“ wurde ein Instrument geschaffen, welches die Kommunikation zwischen der Gesellschaft, der Verwaltung und der Politik verbessert werden sollte. Ein Blick auf das Portal zeigt, wie erfolgreich dieser Schritt war. Unter anderem ermöglicht das Tool, Bürgerbeteiligungsprozesse besser zu steuern und deutlich effektiver zu gestalten. Im Kern der Überlegungen der Wirtschaftsförderin und des Projektentwicklers stehen nicht die Förderungen einzelner Projekte, sondern der strategische Einsatz von Fördergeldern. Projektfördergelder enden fast immer nach einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum und dann stellt sich die Frage nach der Folgefinanzierung. Hier setzen Lietzau und Rabe an und planen für einen nachhaltigen Prozess. Holger Rabe berichtete, dass seit 2021 für den Gesamtprozess der Förderung der Innenstädte (in Niedersachsen) in Stadthagen bis zum August 2025 etwa zwei Millionen Euro gezielt eingesetzt und eingeplant sind. Neben Kulturformaten, Leerstands-Beseitigung und der zusätzlichen Förderung von lohnenswerten Start-Ups, flossen circa 250.000 Euro in den Stadt.Raum" class="auto-detected-link" target="_blank">Stadt.Raum. Im Februar 2024 eröffnete der Stadt.Raum" class="auto-detected-link" target="_blank">Stadt.Raum in der Niedernstraße als ein Info- und Treffpunkt für alle Bürgerinnen und Bürger. Hier kann man sich Ideen abholen und eigene Ideen veröffentlichen, einen Besprechungsraum kostenlos mieten oder Informationen zu möglichen Finanzierungen von Projekten über Fördermittel im Rahmen des Stadt.Fonds erhalten.
“Wir arbeiten gegen den Vertrauensverlust an Politik und Verwaltung!“
Der Stadt.Raum wird heute von bis zu 30 verschiedenen Akteuren genutzt Die Verwaltung ist über die Mitarbeiter erreichbar und zeigt sich jederzeit ansprechbar. Auch Akteure untereinander haben sich vernetzt. Einzelinteressen scheitern häufig. Die „Pötte“ in der Fußgängerzone zeigen beispielhaft, wie ein Vernetzungsprozess zu einem positiven Ergebnis führen kann. Am Beispiel des am Ende leider gescheiterten Projektes „Stadt.Krämerei“ zeigte Jessica Lietzau auf, dass eine 100-Prozent-Förderung nicht immer zu einem guten Ergebnis führen muss. Statt eines „ich versuche einfach mal…“, prüfen die Wirtschaftsexperten heute einen Businessplan, bevor Fördermittel zur Verfügung gestellt werden. Wie erfolgreich Stadthagen mit dem eingeschlagenen Weg tatsächlich ist, zeigt die Entscheidung der bekannten „Körber-Stiftung“, ab 2026 über ihre Abteilung für Demokratie und Bürgerbeteiligung mit der Kreisstadt eine Kooperation einzugehen. „Deutschland besser machen – mit der zukunftsfähigen Stadt“ lädt die Körber-Stiftung Städte und ihre Bürgerinnen und Bürger ein, ein gesellschaftliches Zukunftsthema zu bearbeiten. Die gezielte Förderung von Kooperationen zwischen Vereinen, Initiativen, Stiftungen, der öffentlichen Verwaltung und der Wirtschaft ist ein wichtiger Bestandteil des Förderprozesses der Stiftung. Stadthagen ist mit dabei.
“Mehr als 80 Einzelprojekte gefördert“
Holger Rabe stellte deutlich heraus, dass: “Jede/r, der eigeninitiativ tätig werden möchte und es auch kann, im Netzwerk willkommen ist!” Förderungen erfolgen auf einer strategisch operativen Basis. In vielen anderen Kommunen in Deutschland ende der Prozess der Innenstadtentwicklung oftmals bei den Ideenforen und der Politik, so Rabe. In der bundesweiten Wahrnehmung hat Stadthagen nach Aussage des Fachmannes der Weserbergland AG einen Vorsprung von 2 bis 5 Jahren bei Strategien zu aktiven zivilgesellschaftlichen Stadtentwicklungsprozessen gegenüber vergleichbaren Kommunen. „Es geht dabei nicht um „Pötte“, Bänke oder Beton,“ stellte Rabe fest.“ Es geht um das gesellschaftliche Miteinander und es so effizient zu gestalten, wie möglich. Die Politik allein kann es nicht!“ Zum Thema der Sicherheitslage in Stadthagen sind sich Rabe und Lietzau einig. Die Verwaltung hat gelernt! Sie haben das Thema ernst genommen, viele Akteure zusammengeführt und Vertrauen geschaffen. In einer Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Urbane Sicherheit (KURBAS) beim Landeskriminalamt Niedersachsen, werden kriminalpräventive und sicherheitsrelevante Perspektiven in die Stadt- und Bauplanung eingebracht. Dass Stadthagen auch in der überregionalen Betrachtung interessant zu sein scheint, mag der Umstand belegen, dass am Tag des Gespräches mit dem SW der Niedersächsische Städtetag im Stadt.Raum tagte und sich bei einem anschließenden Rundgang über die Maßnahmen in der Innenstadt informierte.