„Dieses eindeutige Signal sollte die Politik veranlassen, künftig mehr für den Erhalt und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zu tun”, kommentierte Jens Allersmeier, der stellvertretende Vorsitzende des IHK-Verkehrsausschusses. In der jüngsten Vergangenheit sei ein Großteil der Mittel für den Aufbau Ost verwendet worden. Es verwundere daher nicht, dass die große Mehrheit der lippischen Unternehmen trotz der erheblichen Nachholbedarfe bei der Erhaltung zudem gezielte Ausbaumaßnahmen für unverzichtbar halte. -
Auf die Frage, welche Verkehrsprojekte vorrangig gestartet werden sollten, hätten sich 87,5 Prozent der lippischen Betriebe dafür ausgesprochen, den verkehrlichen Nutzen in den Fokus zu stellen. Es müssten demnach insbesondere die Hauptverkehrsachsen gestärkt werden. Nach Auskunft der Befragten sollten in Lippe hauptsächlich die Bundesstraßen 66 und 239 leistungsfähig ausgebaut werden. Zentrale Maßnahmen seien auch die Ortsumgehungen um Lage und Lemgo. -
Trotz aller politischen Bemühungen, Schiene und Wasserstraße zu stärken, sei die Straße für die lippische Wirtschaft nach wie vor der wichtigste Verkehrsträger. Das gelte für alle Straßenkategorien. Die höchste Bedeutung hätten für die Unternehmen die Bundesstraßen (96,4 Prozent), dicht gefolgt von den Landesstraßen (88,3) und den Autobahnen (83,3). Immerhin für jedes dritte Unternehmen (32,5) sei eine gute Luftverkehrsanbindung von Bedeutung. Dahinter reihen sich Schiene (19) und Wasserstraßen (10,9 Prozent) ein.
Die immer offensichtlicher werdenden Unterlassungssünden der Vergangenheit, so die IHK, seien für die Unternehmen mittlerweile deutlich spürbar. „Schlechte Straßenbeläge, gepaart mit zahlreichen Schlaglöchern sind für Fahrer, die sich täglich auf den Straßen bewegen und darauf angewiesen sind, dass der Verkehr rollt, ein ständiges Ärgernis,” kritisierte Jens Allersmeier, der zugleich Spediteur in Bad Salzuflen ist. Von der hohen Unzufriedenheit mit dem Straßenzustand zeuge auch die Befragung. Ganz oben auf der „Sorgenskala” lägen die Landesstraßen. Damit seien 66,2 Prozent der lippischen Betriebe weniger zufrieden oder unzufrieden. Mehr als jedes zweite Unternehmen (53,3 Prozent) störe sich an der Beschaffenheit der Bundesstraßen. Angesichts der großen Straßenmängel würden inzwischen immer mehr Unternehmen eine Ausweitung der Maut akzeptieren. 44,2 Prozent der lippischen Betriebe sprächen sich für die Einführung einer Pkw-Maut aus, 31,2 Prozent plädierten für eine Lkw-Maut für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen (Mehrfachnennungen möglich). Diese Form der Nutzerfinanzierung würden die Unternehmen aber nur in Kauf nehmen, wenn die zusätzlichen Mittel ausschließlich der Straßeninfrastruktur zugute kämen. „Dieses Ergebnis zeigt, wie groß mittlerweile die Not bei vielen Betrieben ist”, interpretierte Jenny Krumov, Verkehrsreferentin der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold die Akzeptanz einer Mautausweitung in Teilen der Unternehmerschaft. Trotz der erwähnten Zweckbindung spreche sich jedes dritte Unternehmen gegen eine Mautausweitung aus. Foto: km