„Trotz guter Geschäftslage trüben sich die Aussichten für 2012 ein,” kommentierte IHK-Präsident Ernst-Michael Hasse, die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage. Rund 200 Unternehmen mit 19.200 Beschäftigten aus allen Bereichen der Wirtschaft in Lippe hatten sich daran beteiligt.
Die Entwicklung spiegelt sich in dem aktuellen IHK-Konjunkturklima-Indikator wider, der die Einschätzung der gegenwärtigen und zukünftigen Geschäftslage misst. Im Frühjahr hatte der Indikator den historischen Höchstwert von 134,8 Punkten erreicht. Jetzt liegt er mit 118 Punkten um 16,8 Punkte niedriger - was aber immer noch weit entfernt ist vom Tiefststand im Frühjahr 2009 mit 65,9 Punkten.
„Mit einer Abschwächung der Stimmung war zu rechnen,” interpretierte Hasse die Zahlen. Die beeindruckende wirtschaftliche Dynamik der vergangenen Monate könne sich nicht endlos fortsetzen. Hintergrund für das vermutete Abflachen der Konjunktur seien die zunehmenden Risiken für das Weltwirtschaftsklima. Für Skepsis sorgten die europäische Schuldenkrise, die prekäre Haushaltslage der USA und die hohen Energie- sowie Rohstoffkosten. Dabei sei die aktuelle Lage der Unternehmen „ausgezeichnet”.
Zurückhaltend geben sich die Unternehmen indessen mit Blick auf die Zukunft. Laut der IHK-Umfrage gehen nur noch 21 Prozent (Frühjahr 2011: 45 Prozent) davon aus, dass sich ihre Geschäftslage positiv entwickeln wird. Knapp ein Fünftel - doppelt so viele wie in der vorherigen Umfrage - rechnen demgegenüber mit einer ungünstigeren Entwicklung.
Die Auftragsbestände sind im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht rückläufig, sind aber noch bei jedem zweiten Unternehmen gestiegen. Um die Aufträge abarbeiten zu können, hat fast jeder zweite Betrieb in Lippe im laufenden oder im vergangenen Jahr zusätzliches Personal eingestellt. Nur ein Siebtel der Antwortenden musste den Mitarbeiterstab reduzieren. Die Einstellungsabsichten für 2012 sind leicht rückläufig, da ein abgeschwächtes Wachstum erwartet wird.
Mit Blick auf die einzelnen Branchen laufen nach Angaben der IHK die Geschäfte in der Industrie am besten. Im Dienstleistungsbereich hat sich die Konjunktur nur leicht abgekühlt. Im Bau und im Handel bestimmt eine starke Skepsis bezüglich der zukünftigen Entwicklung das Konjunkturbarometer.
Besonders kritisch sehen die lippischen Unternehmen die Entwicklung des Inlandsabsatzes. Der Anteil der Antwortenden, die eine sinkende Exportnachfrage befürchten nimmt ebenfalls zu. Negative Effekte gehen auch von den hohen, immer weiter steigenden Energie- und Rohstoffkosten aus. Wechselkurse und Probleme bei der Finanzierung werden darüber hinaus vermehrt als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung genannt.
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