Kirchenschließungen werden kaum vermeidbar sein | Schaumburger Wochenblatt

Kirchenschließungen werden kaum vermeidbar sein

Die Kirchengemeinde St. Joseph diskutiert über die Zukunft ihrer verschiedenen Immobilien. (Foto: bb)
Die Kirchengemeinde St. Joseph diskutiert über die Zukunft ihrer verschiedenen Immobilien. (Foto: bb)
Die Kirchengemeinde St. Joseph diskutiert über die Zukunft ihrer verschiedenen Immobilien. (Foto: bb)
Die Kirchengemeinde St. Joseph diskutiert über die Zukunft ihrer verschiedenen Immobilien. (Foto: bb)
Die Kirchengemeinde St. Joseph diskutiert über die Zukunft ihrer verschiedenen Immobilien. (Foto: bb)

Alle drei katholischen Kirchstandorte in Stadthagen, Lindhorst und Sachsenhagen wird die Pfarrgemeinde St. Joseph in Zukunft nicht erhalten können. Auch wenn die zuständige Projektgruppe „Zukunftsräume“ bewusst eine ergebnisoffene Diskussion zum Immobilien-Prozess einleitete, werden die Umstände kaum eine andere Lösung zulassen.

„Wie leben wir in Zukunft Kirche“, lautet eine der übergeordneten Fragen, welche sich die Projetgruppe und die gesamte Pfarrgemeinde im Zusammenhang mit dem Immobilienprozess stellt.
Der Hintergrund ist klar, die Zahl der Kirchenmitglieder im Landkreis Schaumburg wie in Deutschland insgesamt nimmt deutlich ab. Es gibt weniger Ehrenamtliche, die sich in den Gemeinden einbringen und es fehlt an Nachwuchs im Priesteramt. So stellt sich die Frage, welche Kirchen und zugehörige Gebäude auf Dauer benötigt werden beziehungsweise erhalten werden können.
„Wir wollen dazu eine ergebnisoffene Diskussion führen“, erklärte Georg Hofmacher, der gemeinsam mit Helmut Spiekermann die Projektgruppe „Zukunftsräume“ leitet. In dieser Phase des Prozesses gehe es noch nicht darum, Entscheidungen über Standorte zu treffen.

Deutlicher Rückgang der Mitgliederzahlen

Das Projektteam stellte im Pfarrheim St. Joseph in Stadthagen ihre bisher erarbeiteten Ergebnisse hervor. Die Gruppe hatte eine Vielzahl von Daten zur Ist-Situation der Pfarrei mit ihren Kirchstandorten St. Joseph in Stadthagen, St. Barbara in Lindhorst und Herz-Jesu in Sachsenhagen zusammengetragen. Mit rund 4.000 Gläubigen sind grob zehn Prozent der Einwohnerschaft im Gebiet der Pfarrei katholischen Glaubens. In der Altersstruktur entspreche die katholische Gemeinde etwa der der Gesamtbevölkerung im Landkreis, wie Hofmacher erläuterte. Allerdings sei die Gruppe der unter 25-Jährigen in der Gemeinde im Vergleich unterrepräsentiert. Auch weil die Bevölkerung insgesamt sinke, sei kaum von einem Wiederanstieg der Zahl der gläubigen Katholiken in den kommenden Jahrzehnten auszugehen. Zudem verringere sich die Bereitschaft zum regelmäßigen Gottesdienstbesuch sowie sich aktiv in die Gestaltung des Gemeindelebens einzubringen. „Wir schrumpfen“, brachte Hofmacher die Entwicklung der Zahl der Gemeindemitglieder auf den Punkt. Von 2019 bis 2024 habe sich ein Rückgang von 4438 Mitgliedern auf 3958 Mitglieder ergeben, ein Minus von rund 10,8 Prozent.

Menschen und Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellen

Der Immobilienprozess „Zukunftsräume“ startete 2024 mit Unterstützung des Bistums. Es geht also um die Frage des Erhalts der Kirchenstandorte. Dabei gelte es in der Diskussion jedoch, die Menschen in der Gemeinde in den Mittelpunkt zu stellen, wie die Teilnehmer des Treffens festhielten. „Wie gestalten wir in Zukunft Gemeinschaft“, laute die entscheidende Frage. Die kirchlichen Gebäude müssten dabei im Dienst an den Menschen stehen, den Raum für „Sozialraum vernetzte, einladende und ausstrahlende Gemeinschaften“ stellen.
Dazu seien Schwerpunkte zu setzen wie die zeitgemäßere Gestaltung von Gottesdiensten sowie die Förderung und der Ausbau des Ehrenamtes. Die ökumenische Zusammenarbeit zu verstärken, auf evangelischer Seite sei hier der gleiche Wunsch vorhanden. Bei all dem sei klar, den „Auftrag zu Sendung und Verkündigung nicht aus den Augen zu verlieren“.

Prozess auch in anderen Pfarreien im Landkreis

Hofmacher hielt fest, dass angesichts der Entwicklung ein Erhalt aller drei Kirchstandorte in der Pfarrei nicht zu stemmen sein werde. Dies sei schon angesichts des sich fortsetzenden Rückgangs der Zahl an verfügbaren Pfarrern im Bistum kaum zu vermeiden. Über die genaue Ausgestaltung werde im weiteren Verlauf des Prozesses beraten. Natürlich sei die Aufgabe von Kirchstandorten für viele Gemeindemitglieder ein sehr emotionales Thema, so Hofmacher.
Vergleichbare Prozesse stehen auch in den anderen katholischen Pfarreien im Landkreis an oder wurden bereits eingeleitet.
Foto: bb


Bastian Borchers
Bastian Borchers

Redakteur Schaumburger Wochenblatt

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