Alles wieder auf Anfang? | Schaumburger Wochenblatt

Alles wieder auf Anfang?

Sehr lange steht der Einkaufswagen noch nicht auf der Kohlengrus-Halde. (Foto: ab)
Sehr lange steht der Einkaufswagen noch nicht auf der Kohlengrus-Halde. (Foto: ab)
Sehr lange steht der Einkaufswagen noch nicht auf der Kohlengrus-Halde. (Foto: ab)
Sehr lange steht der Einkaufswagen noch nicht auf der Kohlengrus-Halde. (Foto: ab)
Sehr lange steht der Einkaufswagen noch nicht auf der Kohlengrus-Halde. (Foto: ab)

Zwei voneinander unabhängige Flächen zwischen Schachtstraße und Am Georgschacht beschäftigen seit spätestens Mitte 2023 Fachleute, Politiker und Umweltschützer. Zum einen befindet sich längs zur Straße am Georgschacht ein Gelände, auf dem im Zuge der Verkokung der in Stadthagen geförderten Kohle, bis 1961 sogenannter „Kohlengrus“ abgelagert wurde. Nach einer Begutachtung durch das Unternehmen „Dr. Röhrs & Herrmann“, handelt es sich dabei um circa 8.000 Tonnen des gesundheitsgefährdenden Stoffes mit einem Volumen von etwas über 6.000 Kubikmetern. Die Gefahr dieses Stoffes liegt in seiner krebserregenden Eigenschaft, die durch polyzyklische aromatisierte Kohlenwasserstoffe (PAK) hervorgerufen wird. Verwehungen in Trockenzeiten, in denen Staub in bewohnte Bereiche geweht werden können, erfordern ebenso Handeln, wie der Umstand, dass durch Starkregenereignisse mittlerweile auch Auswaschungen in einen nahegelegenen Bach gelangen. Bei dem zweiten Untersuchungsobjekt handelt es sich um etwa vier Hektar ungenutzten Baumbestand sowie bewirtschaftete Felder im Nahbereich der Kohlengrus-Halde. Die Gutachten hatten festgestellt, dass sich vom Gelände der ehemaligen Kohlechemie eine Abstromfahne teerölhaltigen Wassers in Richtung der Enzer Straße entwickelt hatte. In diesem Fall wird durch die frühere Kohleförderung und- Verarbeitung das Grundwasser gefährdet.


Information der Öffentlichkeit steht weiterhin aus

Nach mehreren Verzögerungen wurde die Machbarkeitsstudie des auf Altlastenuntersuchung und -sanierung spezialisierten Unternehmens mit Sitz in Hildesheim, im April 2024 einem ausgesuchten Kreis von Fachleuten und Politikern vorgestellt (das Schaumburger Wochenblatt (SW) berichtete). Auf damalige Nachfrage des SW bei Bürgermeister Oliver Theiß sowie bei dem Dezernenten beim Landkreis Schaumburg, Klaus Heimann, wurde für Mai 2024 eine umfassende Information der Öffentlichkeit angekündigt. Diese steht bis heute aus. Eine Idee einer zukünftigen Sanierung besteht in einer Abdichtung des belasteten Gebietes mit einer anschließenden Überdeckung mit Bodenmaterial.

Der Geschäftsführer des Spezialunternehmens „Matthäi“, Anthony Giles, hatte sich bereit erklärt, die Kosten für die Machbarkeitsstudie zu übernehmen, um anschließend zu prüfen, ob sich die Ideen aus der Untersuchung mit seinem Unternehmen realisieren ließen. Nach einem Gespräch mit Antony Giles in dieser Woche, steht fest, dass eine Umsetzung des Sanierungskonzeptes unter den bisher vorgegebenen Einschränkungen durch die verantwortlichen Genehmigungsbehörden, wirtschaftlich nicht umsetzbar ist. Giles betonte dabei ausdrücklich, dass es nicht um das reine Geldverdienen ginge. „Matthäi“ sei ein Wirtschaftsunternehmen und müsse natürlich Geld verdienen. Trotzdem habe er bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit einen „sehr spitzen Bleistift“ eingesetzt und zur Prüfung der Machbarkeit weitere Fachleute eines Unternehmens aus der Region Hannover eingesetzt. Wie eine dringend notwendige Sanierung doch noch umgesetzt werden könne, dazu müssen sich alle Beteiligten erneut an einen Tisch setzen.

Jörg Janning erwartet umgehendes Handeln

Jörg Janning, Sprecher der Projektgruppe „Georgschacht“ der BürgerEnergieWende Schaumburg (BEnW), hatte sich in dieser Woche mit einem dringenden Appell an die Öffentlichkeit gewandt. Der Chemiker und ehemalige Abteilungsleiter im Umweltministerium, drängt in einer Stellungnahme vom 24.Juli den Landkreis Schaumburg als zuständige Behörde, das Bundesbodenschutzgesetz anzuwenden. Unter anderem erlaubt das Gesetz, zur Abwehr einer größeren Gefahr für Mensch und Umwelt, zur Abdeckung einer Sanierungsfläche auch schlechteres Bedeckungsmaterial zu verwenden, als es grundsätzlich erlaubt ist. Seit 2019 sei dem Landkreis bekannt, dass die von der damaligen Betreibergesellschaft Preussag/TUI, vorgenommenen Sanierungen nicht mehr ausreichen. In einem Gespräch mit dem Fachmann erklärte er, dass zumindest durch den Teerölabfluss das Grundwasser in einer Fläche von bis zu vier Hektar belastet sei. Bei der Kohlegrushalde sei man bisher davon ausgegangen, dass kein Abfluss in den Boden erfolge. Nun habe man aber auch PAK- Rückstände in dem 20 Meter entfernten Bach feststellen können. Janning zog auch das Vorhaben „Von der Kohle zur Sonne“ in seine Überlegungen mit ein. Nach den Richtlinien des niedersächsischen Umweltministeriums, ist einer Installation von Freiflächen-PV-Anlagen auf Altlastsanierungsflächen der Vorzug zu geben.

Nach einer fachgerechten Sanierung der etwa acht Hektar umfassenden Sanierungsflächen, könnten diese mit PV bebaut werden. „Ein wenig drängt aber die Zeit“, appelliert Janning an die Beteiligten. Die ehemalige Umzäunung der Kohlengrus-Halde existiert teilweise nicht mehr. An einigen wenigen Stellen hatte der Landkreis kaum noch erkennbare Betretungsverbots-Schilder installiert. Mitten auf dem Gelände steht ein Einkaufswagen. Schmale ausgetretene Wege zeigen zusätzlich, dass sich immer wieder Personen dort aufhalten. Das Einatmen von belastetem Staub und auch Hautkontakt zu den Ablagerungen sind gesundheitsschädlich. – der Sprecher der Projektgruppe hat offensichtlich Recht – Es drängt die Zeit!

Landkreis untersucht Sanierungsmöglichkeiten

In einem persönlichen Gespräch mit dem Leiter des Landkreisbauamtes, Fritz Klebe, sowie dem Amtsleiter 66 (Abfall/Bodenschutzbehörde), Matthias Dornbusch, stellten die beiden Fachleute die aktuelle Sicht der Fachbehörde dar. Nachdem nunmehr bekannt sei, dass eine Sanierung durch die Firma Matthäi offenbar nicht infrage kommt, werden sich Klebe und Dornbusch mit dem Geschäftsführer Anthony Giles kurzfristig in Verbindung setzen. Sollte es danach bei dem Status bleiben, werde der Landkreis einen eigenen Sachverständigen für die Sanierung der Kohlengrus-Halde mit einem Gutachten/Entwurf für eine Sanierung beauftragen. Fest stehe, so Dornbusch, dass eine Einbringung des belasteten Bodens zur Abdeckung anderer Bereiche nicht infrage kommt. Ebenso sei eine thermische Verwertung (Verbrennung) nicht realisierbar. Dieses könne ausschließlich in einer Anlage in den Niederlanden erfolgen und allein der Aushub und der Transport sei aus Umweltschutzgründen extrem aufwendig und teuer. Damit käme eine geeignete Abdeckung infrage, mit der alle heute bekannten Gefahren beseitigt würden. Über mögliche Kosten konnten noch keine Angaben gemacht werden. Zur mangelhaften Umzäunung zeigte Dornbusch Unverständnis. Er habe bereits vor einiger Zeit ein Fachunternehmen mit der Reparatur beauftragt und werde den Hinweis umgehend prüfen. Der zweite Sanierungsfall, die Teeröl-Abflussfahne, werde genauer untersucht. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Ausschwemmungen in Richtung Norden möglicherweise auf natürlichem Wege abgebaut würden. Genaue Aussagen erwarten die Fachmänner von dem eingerichteten Monitoring der Situation. Zu einer späteren Nutzung der Sanierungsflächen mit PV-Anlagen, sagte der Bauamtsleiter, dass niemandem geholfen wäre, wenn zur Abdeckung im Rahmen einer Sanierung, belastete Böden eingesetzt würden. „Wir wollen am Ende möglichst eine Verbesserung der Situation und nicht einmal nur den Erhalt eines Status Quo!“


Axel Bergmann
Axel Bergmann

Freier Mitarbeiter

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