Zu den „Stundenten” zählen auch in diesem Jahr einige Teilnehmer aus dem Ausland, darunter zwei Gäste aus Holland, zwei aus Polen und drei aus der englischen Partnerstadt Kendal. Die längste Anreise hatte Melisa Yilmaz aus Antalya in der Türkei. Eine weitere statistische Tendenz scheint sich unterdessen zu manifestieren: Die Frauen sind weiter auf dem akademischen Vormarsch. Waren es im vergangenen Jahr noch 66 zu 34 Prozent, bestätigte Dunja Cordes, so sind diesmal fast 80 Prozent der Teilnehmer weiblichen Geschlechts.
Zu den besonderen Intentionen der Sommeruni gehört nach wie vor die „Prophylaxe”: Die profunden Vorab-Instruktionen sollen dazu beitragen, die nach wie vor noch hohe Zahl (rund 25 Prozent) der Studienabbrüche zu reduzieren. „Denken Sie dran,” mahnte Undine Rosenwald-Metz, „dass ein Studium ihre Eltern etwa eine Doppelhaus-Hälfte kostet.” Die Direktorin der VHS freute sich aber gleichzeitig auch darüber, dass die anwesenden jungen Leute durch ihre „Selbstorganisation” bereits den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht hätten.
Als Vertreter der zentralen Einrichtung für Weiterbildung an der Leibnitz-Universität Hannover erinnerte Dr. Martin Beyersdorf an die Geschichte der Rintelner Sommeruniversität, die er von der ersten Stunden an mitgestaltet hat. Bei der ersten Kontaktaufnahme habe er dem Projekt eigentlich keine große Zukunft zugetraut. Um so erstaulicher sei die Entwicklung zu der heutigen „Institution” gewesen. Beyersdorf übermittelte auch einige theoretische Gedanken über das akademische Arbeiten. So sei etwa Freiheit für die Wissenschaft unabdingbar. Beyersdorf wörtlich: „Herrschaft und Wissenschaft sind unvereinbar.”
Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz beschränkte sich bei seinen Grußworten auf die Anpreisung der exorbitant attraktiven Rintelner Freizeitangebote - und vielleicht reisen ja tatsächlich nicht alle Teilnehmer am kommenden Freitag ab, sondern bleiben noch bis zum Altstadtfest am kommenden Wochenende. -
Im Angebot der Sommeruniversität befinden sich über 100 Seminare und Vorlesungen aus allen gängigen Studienfächern: Geschichte, Philosophie, Psychologie, Pädagogik, Jura, Politik, Theologie, Wirtschaftswissenschaft, Kunst, Musik, Technik und Naturwissenschaft. Um die angehenden Studenten kümmern sich Dozenten von zahlreichen norddeutschen Universitäten, Fachhochschulen und Akademien.
Und um die intellektuellen Bemühungen der Wissensdurstigen nicht ins Verbissenene abgleiten zu lassen, warten die Veranstalter auch mit einem vielfältigen Freizeitprogramm auf. Den Auftakt bildete am Samstagabend in der Kulisse eine „Welcome Night” mit der Band „Analogue”.
Am heutigen Mittwoch, dem dritten August, stehen diverse sportliche Aktivitäten auf dem Programm. Um 20 Uhr lädt Kreiskantor Wolfgang Westphal zu einer Orgelführung mit einem kleinen Konzert in die Nikolai-Kirche ein. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr. Am folgenden Donnerstag will Jürgen Wiemer ab 17 Uhr auf dem Marktplatz sein Straßentheater-Workshops aufführen. Und das kulturelle Finale der Sommeruni findet wieder einmal im „Happy Night” statt. Beginn des Disko-Abends ist um 22 Uhr, das Ende offen. Foto: km