Eine drängende Herausforderung: Fachkräftemangel in Schwimmbädern und die Folgen | Schaumburger Wochenblatt

Eine drängende Herausforderung: Fachkräftemangel in Schwimmbädern und die Folgen

2024 sind die Todesfälle erstmals seit Jahren wieder gestiegen. (Foto: DLRG)
2024 sind die Todesfälle erstmals seit Jahren wieder gestiegen. (Foto: DLRG)
2024 sind die Todesfälle erstmals seit Jahren wieder gestiegen. (Foto: DLRG)
2024 sind die Todesfälle erstmals seit Jahren wieder gestiegen. (Foto: DLRG)
2024 sind die Todesfälle erstmals seit Jahren wieder gestiegen. (Foto: DLRG)

Der Fachkräftemangel ist ein Thema, das zunehmend auch die Hallenbäder und Freibäder in Deutschland belastet. Bemerkbar ist das auch im Landkreis Schaumburg und den Nachbarkreisen. Diese Herausforderung hat allerdings nicht nur Auswirkungen auf den reibungslosen Betrieb der Einrichtungen, sondern auch auf die Schwimmkurse und die gesamte Ausbildung in der Wasserrettung. Das Schaumburger Wochenblatt wollte daher wissen, wie sich das bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG) und vor Ort in den Bädern direkt auswirkt.

„Fallen bei dünner Personaldecke krankheitsbedingt Beschäftigte aus, wird ein Bad oft von heute auf morgen zeitweise geschlossen“, erklärte Martin Holzhause, Leiter der DLRG-Pressestelle. Diese plötzlichen Schließungen erschweren nicht nur den Zugang zum Schwimmsport und zu den wichtigen Schwimmkursen, sondern bringen auch die Ausbildung von Rettungsschwimmern ins Stocken. Solche Fälle gab es in der Vergangenheit zum Beispiel in der Samtgemeinde Rodenberg und in Wunstorf.
Ähnliche Probleme zeigen sich auch bei den Planungen für die Freibädern, wo die Saison dadurch häufig später beginnt und früher endet. Die ungenügende Personaldecke limitiert die Möglichkeiten für Ausbildungsangebote und gefährden damit die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung. Der Druck auf die bestehenden Schwimmstätten wird spürbar, was damit nun auch die DLRG vor große Herausforderungen stellt, um die Sicherheit und Qualifikation des Personals aufrechtzuerhalten. Die Unterhaltung von Schwimmangeboten wird folglich immer schwieriger. In Anbetracht dieser Zustände fragt man sich, wie die DLRG und andere Einrichtungen den Schwimmunterricht und die Ausbildung rechtzeitig sichern können.

Die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung: Ein alarmierender Trend

Die DLRG hat in den letzten Jahren eine besorgniserregende Entwicklung beobachtet, die die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung betrifft. Laut einer forsa-Befragung aus dem Jahr 2017 gab es bei Grundschülern erhebliche Defizite. „Die Grundschüler im Alter von zehn Jahren sind mehrheitlich keine sicheren Schwimmer“, erläutert Holzhause weiter. Damals gaben zudem drei Prozent der Jugendlichen und Erwachsenen an, Nichtschwimmer zu sein. Der Bericht verdeutlicht, dass sich in den folgenden fünf Jahren die Zahl derer, die sich als Nichtschwimmer bezeichneten, sogar erhöht hat. Fünf Prozent der Befragten gab 2022 an, keine Schwimmfähigkeiten zu besitzen – das sind mehr als 3,5 Millionen Menschen in Deutschland.
Die DLRG vermutet, dass die tatsächliche Zahl an Nichtschwimmern sogar noch höher ist. Viele von ihnen haben zwar grundlegende Schwimmkenntnisse, sind jedoch aufgrund mangelnder Übung unsicher im Wasser. Dies führt zu einem besorgniserregenden Trend, der sowohl für die Schwimmausbildung als auch für die allgemeine Sicherheit im Wasser von Bedeutung ist. Die DLRG arbeitet aktiv daran, diese Fähigkeiten zu fördern, indem sie Schulen und Gemeinden unterstützt und diverse Schwimmkurse anbietet.

Technologische Innovationen: Eine Hilfe, aber kein Ersatz

Im Kontext der Herausforderungen, mit denen die Schwimmbäder konfrontiert sind, ist die DLRG auch offen für technologische Innovationen. Besonders im Hinblick auf KI-gestützte Überwachungssysteme, die eine wertvolle Ergänzung im Betrieb sein könnten, zeigt sich ein wachsendes Interesse. „KI-gestützte Überwachungssysteme sind eine sinnvolle Ergänzung, die das Personal in den Bädern zwar nicht ersetzen, aber entlasten können“, erklärte Holzhause. Diese Systeme könnten dabei helfen, die Sicherheit zu erhöhen und potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen. Beim Tropicana in Stadthagen hilft eine KI bei der Überwachung und entlastet somit auch die Schwimmmeister.
Trotz der Möglichkeiten, die solche technologischen Lösungen bieten, bleibt die Notwendigkeit qualifizierter Fachkräfte von großer Bedeutung. Die DLRG betont, dass man immer auf qualifiziertes Personal angewiesen ist, das in der Lage ist, unmittelbare Hilfe zu leisten. Der Einsatz von Technologie kann daher nur als unterstützende Maßnahme betrachtet werden. Um langfristig die Sicherheit im Wasser und die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung zu gewährleisten, muss die DLRG sowohl in der Ausbildung als auch in der Rekrutierung von Fachkräften intensiv arbeiten.

Mindestens 411 Menschen ertrunken

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat im vergangenen Jahr 411 tödliche Unglücke in den Gewässern verzeichnet. Das sind 31 Todesfälle mehr als im Jahr zuvor. Die Organisation für Wasserrettung stellte zum dritten Mal in Folge einen Anstieg bei der Zahl der Ertrunkenen in Deutschland fest. „Damit zählt diese Statistik erstmals seit 2019 wieder mehr als 400 Opfer“, sagte DLRG Präsidentin Ute Vogt und fügte hinzu: „Dieses Ergebnis sensibilisiert hoffentlich möglichst viele Menschen für die bevorstehende warme Jahreszeit.“ Eltern kleiner Kinder will die DLRG in den kommenden Monaten auf besondere Gefahren aufmerksam machen. Knapp die Hälfte (48%) der tödlichen Unfälle ereignete sich in den drei Sommermonaten ab Juni.


    Nadine Dressler
    Nadine Dressler

    Redakteurin Schaumburger Wochenblatt

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