Zu Wort meldeten sich Tanja Steinmeier aus Obernkirchen und Monika Schermer aus Silixen. Beide kümmern sich seit Jahren um verwilderte Katzen. Lassen sie sogar aus eigener Tasche kastrieren, wenn es anders nicht möglich ist. In Obernkirchen gab es kürzlich einen Fall beim städtischen Bauhof. Eine verwilderte Hauskatze hatte dort mehrere Katzenwelpen zur Welt gebracht.
Hätte Tanja Steinmeier nicht eingegriffen, wären in kürzester Zeit aus einem Wurf immer mehr Katzen geworden. „Ich denke, es fehlt einfach die Aufklärung darüber, was für schlimme Krankheiten sich Katzen einfangen können”, so die Obernkirchenerin. Monika Schermer ist seit 30 Jahren im Extertal aktiv für Katzen unterwegs. Bekehrt Landwirte, fährt Futterstellen ab, fängt streunende Katzen ein und lässt sie von ihrem Gehalt kastrieren. „Ich werde angerufen, wenn irgendwo wieder mal Katzen wild rumlaufen und Babys bekommen”, erzählt Schermer. Dann heißt es für sie mindestens sechs Wochen keinen Schlaf - weil hungrige Katzen, 300 Unkosten für Kastration, Entwurmung und Gesundheitscheck, entrüstete Nachbarn und am Ende sterben viele Tiere doch. „Ich habe oft mit Anfeindungen zu kämpfen”, berichtet Schermer. Aber das Glück der Katzen ist es ihr Wert. Im Extertal wurde zum 1. Dezember 2012 die Katzenkastrationspflicht eingeführt.
Eine weitere unangenehme Tatsache: Unkastrierte Kater markieren ihr Revier. Das heißt, auch Gartenmöbel und andere Gegenstände in umliegenden Gärten sind Ziel der Urin-Attacke. Der extreme Gestank lässt sich nur schwer wieder herausbekommen. Diese Unannehmlichkeiten sind eine Sache. Ein weiteres Problem erläuterte Naturschutzbund-Vorsitzender Leonhard Hielscher. „Katzen sind erfolgreiche Jäger, selbst wenn sie einen Futterplatz haben”, so der Obernkirchener Nabu-Chef. Neben Mäusen und Ratten jagen Katzen auch Junghasen und -kaninchen, Hermeline und Mauswiesel. Das stört vor allem die heimische Jägerschaft.
Der Nabu macht sich zudem Gedanken um Singvögel als Beute. Die Liste ist lang. Mittlerweile gibt es viele Katzenhasser, die gar zu radikalen Mitteln greifen: Giftköder. Das Fatale: Auch Katzen mit Besitzer die ab und an raus dürfen fressen davon.
200 Kommunen haben die Kastrationspflicht bereits eingeführt und wir werden als verrückt bezeichnet”, sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereines Bückeburg, Monika Hachmeister. Unter anderem gilt das Kastrieren von Katzen beispielsweise in Porta Westfalica, Vlotho, Detmold, und Celle als Pflicht des Halters. Schon oft habe Hachmeister beim Landkreis gesessen und die Zuständigen über das Katzenleid informiert. „Wir verstoßen täglich gegen das Tierschutzgesetz welches besagt, Leiden zu verhindern. Mitansehen zu müssen wie eine Katze an Aids stirbt ist furchtbar, dass wünsche ich niemandem”, sagt die Tierschützerin. Katzen die sich unkontrolliert vermehren, verursachen nicht nur enorme Kosten für die Tierheime, sondern auch für die Gemeinden. Viele Tierheime sind völlig überfüllt mit Streunern und deren Nachkömmlinge. „Wenn es die Tierschutzverein nicht gebe, müssten die Kommunen selbst Tierheime einrichten”, sagte Dombrowski.
Durch eine rechtlich festgelegte Kastration würde man nicht nur unnötiges Leid verhindern, sondern könnte Gelder eingesparten. Die Grünen-Fraktion will nun einen Antrag in den Verwaltungsausschuss einbringen und die Katzenkastrationspflicht parteiunabhängig zur Diskussion stellen. Wichtig ist den Tierschützern allerdings auch, dass den Katzenbesitzern das Kastrieren finanziell möglich gemacht wird. Steinmeier regte an, mit Tierärzten über Ratenzahlungen zu sprechen. Übrigens: Ausnahmegenehmigungen gibt es für Katzenhalter die mit ihren Tieren züchten oder sie ausschließlich als Hauskatze halten. Foto: wa