In aller Munde auf Tour – heute im Forsthaus Blumenhagen
Längst nicht mehr nur als Ausflugsziel für den Beginn einer Wanderung durch den Deister wird das beliebte Forsthaus Blumenhagen aufgesucht. Hier treffen sich Freunde, man feiert private Anlässe oder kommt einfach mal so vorbei. Meistens auf ein Schnitzel, denn die können sie hier.
Ohne Reservierung, an einem wunderbaren Wintersonntag und auch noch mittags, haben wir es auf gut Glück versucht und mit einer barschen Abfuhr gerechnet. Weit gefehlt, denn obwohl es schon losging mit dem Betrieb, nahm sich die freundliche Dame, die für die Platzvergabe zuständig war, die nötige Zeit, um uns und die anderen Nachzügler auf die Tische zu verteilen, an denen die Reservierungen ab 13.30 Uhr oder später auf kleinen Tischtäfelchen geschrieben standen. Und „losgehen“ bedeutet im Restaurant Blumenhagen: „Entschuldigung, darf ich mal durch? – Wo sind denn die Toiletten? – Schaust du mal, ob da hinten noch was frei ist? – Kann ich zahlen? Ja, gerne an der Kasse. – Zwei große Bier bitte noch, wir sitzen da vorne. – Gibt es hier auch Kuchen? – Wir hatten reserviert für sechs Personen, sind aber doch nur zu viert. – Hallo! Wir warten auch, bitte nicht vordrängeln…“
Routine in der Küche
Von unserem kleinen Fenstertisch aus hatten wir eine schöne Sicht auf die Natur und das Treiben in der nach weiteren 30 Minuten randvollen Hütte. Bestellt haben wir uns ein Champignon-Rahmschnitzel für 18,80 Euro, bei dem auch die Pilze gut waren, nicht nur das Schnitzel. Man merkt die Routine in der Küche schon an der Zubereitung: die frische Panade, das saftige Schnitzel, die hausgemachten Bratkartoffeln und dem im Preis enthaltenen frischen Beilagensalat.
Da darf die Scheibe Rote Bete mit Wellenschnitt schon mal aus dem Glas sein. Ein Blick in die Küche durch die verglaste Wand im hinteren Bereich bestätigt das Gesagte. Neben der sinnvollerweise sehr übersichtlichen Speisenauswahl in der Karte gab es noch Grünkohl, ebenfalls mit Bratkartoffeln, für 13,90 Euro. Haben wir natürlich bestellt. Der hat so gut geschmeckt, wie er soll, und war reichlich. Auch bei den Getränken hält man sich an die Regel „Weniger ist oft mehr“, also gab es von den beiden angebotenen Bieren kein Zwickel aus der Flasche, sondern ein Rupp Bräu von der Lauenauer Brauerei im Felsenkeller. Dies wird zu bescheidenen Preisen in drei Größen angeboten: von 0,3 l über 0,5 l bis 1 l für 3,40 Euro, 4,90 Euro und 8,80 Euro. Wenn man viel verkauft und in guter Qualität anbietet, muss die Auswahl zurückstehen, sonst geht es nicht. Das bestätigt uns Kai Simons, der Chef von Blumenhagen, der in diesem Haus aufgewachsen ist. Damals wurden hier noch Tiere gehalten, an ein Restaurant war nicht zu denken. Wenn man in der hinteren Stube Platz nimmt, sieht man noch die alten Steintröge, an denen früher die Rinder gefüttert wurden. Der wunderbare Kachelofen stammt von einem Freund, den Kai kurzerhand abgebaut und hier wieder aufgebaut hat, sehr zur Freude aller, die es kuschelig mögen.
Den Weinliebhabern muss als Beschreibung der vier weißen und vier roten Weine neben den Rebsorten das Herkunftsland und die Bezeichnungen „trocken“ und „halbtrocken“ reichen. Alle Weine 0,2 l für 5,50 Euro – rekordverdächtig günstig. So wie auch alle weiteren Getränke und die Speisen. Ganz schön fleischlastig das Ganze, aber Wanderer brauchen eben Energie. Vegetarier, die keinen gebackenen Camembert oder Fetakäse mögen, kommen hier nicht auf ihre Kosten, es sei denn, sie bleiben beim Salat. Der Erfolg dieses urgemütlichen Fachwerk-Restaurants kommt eindeutig aus der hohen Umdrehung. Natürlich möchte man sich nicht vorstellen, wie es an einem verregneten Donnerstag im Herbst aussehen mag, da kommt es dann auf eine gute Personalplanung an. Scheint hier zu klappen. Abgesehen davon, dass Kai Simons eigentlich immer da ist, denn er wohnt mit seinen beiden Teenagern hier, gibt es nur eine festangestellte Teilzeitkraft für den Service, zweieinhalb Köche und um die 20 hochmotivierte Aushilfen.
Sympathischer Selfmade-Gastronom
Den Inhaber mochten wir in dem sonntäglichen Treiben gar nicht ansprechen, denn soeben hat eine Wandertruppe an den Nebentischen mit 24 Personen ihre Bestellungen aufgegeben, und so haben wir uns an einem anderen Tag zum Gespräch getroffen, um uns kennenzulernen. Der total sympathische Selfmade-Gastronom kann als studierter BWLer gut rechnen, hat sich den gastronomischen Teil aber autodidaktisch angeeignet. Ende der 90er Jahre hat er dann angefangen, aus seinem Garten einen Biergarten zu machen, weil er auch selber gern mal in einem Biergarten sitzt.
Was nach jahrelanger Arbeit und hunderten Stunden auf Ämtern und Denkmalschutzbehörden daraus wurde, ist heute zu bestaunen: ein rundes Konzept in bester Umgebung mit einer tollen Mannschaft. Kai Simons erklärt: „Die Viertagewoche ermöglicht es uns, mit nur einer Besetzung auszukommen, mittwochs wird vorbereitet, Donnerstag bis Sonntag geht’s rund. Und unsere Aushilfen verlassen uns eigentlich nur, wenn sie wegziehen.“ Das spricht für die Stimmung und das Klima. Wir stellen ja auch immer öfter fest, dass im Service gute Aushilfen durch Freundlichkeit manchmal hilfreicher sein können als unmotivierte Fachkräfte, die es ohnehin kaum noch gibt.
Fazit: Klare Kante, sehr viel Herzblut, eine tolle Lage und gutes Essen zu günstigen Preisen.
Forsthaus Blumenhagen
Blumenhagen 2
31867 Lauenau
Tel.05043/1833
www. forsthaus-blumenhagen.de
Donnerstag bis Sonntag sowie feiertags:
ab 11 Uhr geöffnet
durchgehend warme Küche
bis 21 Uhr